Verschlimmerungsfragen sind eine spezielle Art von Fragen, die in der systemischen Beratung eingesetzt werden, um den Klienten dabei zu helfen, die Auswirkungen ihrer Herausforderungen oder Probleme besser zu verstehen und neue Perspektiven zu gewinnen.

Diese Fragen sollen dazu beitragen, dass der Klient seine Situation aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und die möglichen Konsequenzen seiner Handlungen oder Entscheidungen berücksichtigt. Oft werden Verschlimmerungsfragen verwendet, um den Klienten dazu zu bringen, sich vorzustellen, was passieren würde, wenn die Situation noch schlimmer wird oder wenn er oder sie nichts unternimmt, um das Problem zu lösen.

Ein Beispiel für eine Verschlimmerungsfrage könnte sein: „Was wäre das Schlimmste, was passieren könnte, wenn Sie nichts unternehmen, um Ihr Problem zu lösen?“ Oder: „Wie würde sich Ihre Situation verschlechtern, wenn Sie weiterhin so handeln wie bisher?“

Diese Fragen können unangenehm sein, da sie den Klienten dazu bringen, sich mit möglichen negativen Auswirkungen seiner Handlungen auseinandersetzen zu müssen. Allerdings können Verschlimmerungsfragen auch dazu beitragen, dass der Klient sich bewusster über die Konsequenzen seines Handelns wird und motivierter ist, Maßnahmen zu ergreifen, um seine Situation zu verbessern.

Ein Beispiel aus meiner Paartherapie-Praxis

Manchmal frage ich Paare ganz direkt: „Was müsstet ihr beide tun, damit euer nächster Streit garantiert eskaliert?“
Das klingt erstmal überraschend. Aber die Antworten sind oft erhellend:

„Ich müsste ihn unterbrechen und sagen, dass er immer so ist.“
„Ich müsste aufstehen und den Raum verlassen.“

Plötzlich wird beiden klar: Sie wissen genau, welche Verhaltensweisen den Konflikt befeuern. Und im Umkehrschluss auch, was sie anders machen könnten.
Das ist die Kraft der Verschlimmerungsfrage: Sie macht den eigenen Anteil sichtbar, ohne Schuldzuweisungen.
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Linda Schmidt | | Lesezeit: 1 Minuten, 8 Sekunden