„Wir streiten immer über dasselbe – und am Ende sind wir beide verletzt, aber nichts hat sich verändert.“

Diesen Satz höre ich in meiner Praxis für Paartherapie in Münster fast jede Woche. Und jedes Mal sehe ich dieselbe Erschöpfung in den Augen der Paare, die zu mir kommen. Sie haben alles versucht: Reden, Schweigen, Kompromisse, Ultimaten. Nichts hat geholfen.

Linda Schmidt | | 0 Kommentar(e) | Lesezeit: 7 Minuten, 22 Sekunden
Konflikte in der Beziehung lösen – Praxis-Tipps von der Paartherapeutin

Ich verstehe diese Verzweiflung. Und ich weiß aus meiner täglichen Arbeit: Es gibt einen Ausweg aus der Streitspirale. Aber – und das ist wichtig – dieser Ausweg führt selten über Tipps aus dem Internet oder das nächste Beziehungsratgeber-Buch. In diesem Artikel erkläre ich dir, warum das so ist.

Warum wir immer über dasselbe streiten – und warum Tipps allein nicht ausreichen

Bevor wir über Lösungen sprechen, müssen wir verstehen, was bei Konflikten wirklich passiert. Denn hier liegt der größte Irrtum, den ich bei Paaren sehe: Sie glauben, der Streit handelt von dem, worüber sie streiten.

Aber das stimmt fast nie.

Der Eisberg unter der Oberfläche

Stell dir einen Eisberg vor. Über der Wasseroberfläche siehst du das Streitthema: die nicht erledigte Hausarbeit, das vergessene Date, die Uneinigkeit über die Kindererziehung.

Aber unter der Oberfläche – im unsichtbaren Teil – liegen die wahren Treiber des Konflikts:

  1. Unerfüllte Bedürfnisse nach Wertschätzung, Nähe oder Autonomie
  2. Alte Verletzungen, die durch die aktuelle Situation berührt werden
  3. Ängste, nicht gut genug zu sein oder verlassen zu werden
  4. Bindungsmuster aus der eigenen Kindheit

Die Herausforderung: Diese tieferen Schichten sind uns meist nicht bewusst. Wir spüren nur, dass wir wütend, verletzt oder frustriert sind – aber wir verstehen nicht wirklich, warum. Und genau deshalb drehen sich Paare jahrelang im Kreis.

Ein Beispiel aus meiner Praxis

Kürzlich kam ein Paar zu mir, das sich seit Monaten über die Hausarbeit stritt. Sie warf ihm vor, nie zu helfen. Er konterte, dass er ständig helfe und sie nie zufrieden sei. Beide waren am Ende ihrer Kräfte.

In der Therapie stellte sich heraus:

Sie war als Kind für ihre jüngeren Geschwister verantwortlich gewesen. Niemand hatte ihr je geholfen. Wenn ihr Mann die Spülmaschine nicht ausräumte, fühlte sie sich wieder wie das kleine Mädchen, das alles alleine machen muss – unsichtbar und unwichtig.

Er wiederum hatte einen Vater, der ihn ständig kritisierte. Egal was er tat, es war nie genug. Die Kritik seiner Frau berührte genau dieses alte Gefühl: „Ich kann es dir sowieso nie recht machen.“

Der Streit über die Hausarbeit war nie ein Streit über Hausarbeit. Es ging um Wertschätzung, um Gesehen-Werden, um alte Wunden.

Dieses Paar hätte noch zehn Jahre über Putzpläne diskutieren können – es hätte nichts verändert. Erst als wir in der Therapie diese tieferen Schichten sichtbar machten, konnten sie verstehen, was wirklich los war. Und erst dann war echte Veränderung möglich.

Warum du diese Muster alleine kaum erkennst

Vielleicht denkst du jetzt: „Okay, dann schaue ich eben selbst, welche alten Verletzungen bei mir berührt werden.“

Das klingt logisch – funktioniert aber leider selten. Und zwar aus mehreren Gründen:

Erstens: Wir stecken mittendrin. Wenn die Emotionen hochkochen, ist das Gehirn im Kampf-oder-Flucht-Modus. Rationales Analysieren ist dann kaum möglich. Du siehst den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Zweitens: Unsere blinden Flecken sind uns nicht bewusst. Das liegt in der Natur der Sache. Die Muster, die uns am meisten beeinflussen, sind oft genau die, die wir am wenigsten sehen.

Drittens: Es braucht einen sicheren Raum. Die verletzlichen Gefühle unter der Oberfläche zeigen sich nicht einfach so. Sie brauchen einen geschützten Rahmen, in dem beide Partner sich öffnen können, ohne Angst vor dem nächsten Angriff.

Genau das bietet eine professionelle Paartherapie: Einen neutralen Raum, eine geschulte Außenperspektive und erprobte Methoden, um an die Wurzel der Konflikte zu kommen.

Die 4 Reiter der Apokalypse – Hinweise, die du kennen solltest

Der amerikanische Paartherapeut John Gottman hat über 40 Jahre lang Paare erforscht. Er kann mit über 90% Genauigkeit vorhersagen, ob ein Paar zusammenbleiben wird – nur indem er beobachtet, wie sie streiten.

Seine Forschung hat vier Verhaltensweisen identifiziert, die er die „4 Reiter der Apokalypse“ nennt. Wenn diese regelmäßig auftreten, braucht die Beziehung besondere Aufmerksamkeit:

1. Kritik – Den Charakter des Partners angreifen, statt ein konkretes Verhalten anzusprechen. „Du bist so egoistisch!“ statt „Ich war enttäuscht, dass du unseren Jahrestag vergessen hast.“

2. Verachtung – Augenrollen, Sarkasmus, Abwertung. Das belastendste Verhalten für jede Beziehung. Wo Verachtung herrscht, fehlt der grundlegende Respekt.

3. Defensive – Sich rechtfertigen und Gegenangriffe starten, statt zuzuhören. „Ja, aber du hast doch auch…“ blockiert jedes echte Gespräch.

4. Mauern – Sich komplett zurückziehen, dichtmachen, nicht mehr reagieren. Für den Partner fühlt es sich an wie: „Du bist mir egal.“

Erkennst du eines oder mehrere dieser Muster in eurer Beziehung?

Dann ist das ein deutlicher Hinweis, dass ihr professionelle Unterstützung in Betracht ziehen könntet. Denn diese Muster sind hartnäckig – sie haben sich oft über Jahre eingeschliffen und lassen sich nicht einfach durch guten Willen auflösen.

Was in der Paartherapie anders läuft

Vielleicht fragst du dich, was eine Paartherapie leisten kann, das ihr alleine nicht schafft. Hier ein Einblick in meine Arbeit:

Ich sehe, was ihr nicht seht

Als Außenstehende erkenne ich die Muster, in denen ihr euch bewegt. Ich sehe, wer wann zumacht, wer angreift, wer sich zurückzieht. Ich sehe die Auslöser, die euch nicht bewusst sind. Und ich kann diese Beobachtungen so spiegeln, dass ihr sie annehmen könnt.

Ich schaffe einen sicheren Raum

In meiner Praxis gelten klare Regeln: keine Unterbrechungen, keine Angriffe, keine Schuldzuweisungen. Dieser geschützte Rahmen ermöglicht es, verletzliche Gefühle zu zeigen, die im Alltag keinen Platz haben. Oft höre ich Sätze, die Partner sich seit Jahren nicht gesagt haben.

Ich arbeite mit erprobten Methoden

Ich kombiniere systemische Therapie mit Emotionsfokussierter Paartherapie (EFT) – einem Ansatz, der wissenschaftlich zu den wirksamsten gehört. EFT setzt genau an den tieferliegenden Emotionen und Bindungsbedürfnissen an, die ich vorhin beschrieben habe.

Ich halte euch auf Kurs

Zu Hause ist es leicht, in alte Muster zurückzufallen. In der Therapie sorge ich dafür, dass ihr dranbleibt, dass ihr die Übungen macht, dass ihr wirklich etwas verändert – nicht nur darüber redet.

Wie Therapie wirkt, wo Tipps an ihre Grenzen stoßen

Anna und Thomas, beide Anfang 40, verheiratet seit 12 Jahren, kamen zu mir, weil sie „nur noch funktionieren“. Jede zweite Woche eskalierte ein Streit. Sie hatten bereits Kommunikationsbücher gelesen, Videos geschaut, sogar eine App ausprobiert. Nichts hatte geholfen.

Die Herausforderung war nicht fehlendes Wissen. Die Herausforderung war, dass sie ihre eigenen Muster nicht durchbrechen konnten.

Anna wurde unter Druck fordernd und kritisch – weil sie als Kind nur so Aufmerksamkeit bekam. Thomas zog sich zurück und mauerte – weil er gelernt hatte, dass Konflikte schwierig sind.

Je mehr sie forderte, desto mehr zog er sich zurück. Je mehr er sich zurückzog, desto lauter wurde sie. Ein Kreislauf, der beide erschöpfte.

In der Therapie machten wir diese Dynamik sichtbar. Wir arbeiteten an den Wurzeln – nicht an den Symptomen. Thomas lernte, dass Annas Kritik ein verzweifelter Ruf nach Verbindung war. Anna lernte, dass sein Rückzug keine Ablehnung war, sondern Überforderung.

Nach drei Monaten sagte Anna: „Wir streiten noch, aber anders. Es fühlt sich nicht mehr existenziell bedrohlich an.“

Dieses Ergebnis hätten sie mit Büchern und Apps nicht erreicht. Nicht weil diese schlecht sind – sondern weil echte Veränderung einen Begleiter braucht, der sieht, was man selbst nicht sehen kann.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für Paartherapie?

Viele Paare kommen später als nötig – wenn die Verletzungen so tief sind, dass die Reparatur mehr Zeit braucht. Je früher ihr euch Unterstützung holt, desto einfacher ist es, die Weichen neu zu stellen.

Professionelle Begleitung ist sinnvoll, wenn:

  1. Ihr seit Monaten oder Jahren über dieselben Themen streitet, ohne Fortschritt
  2. Gespräche regelmäßig eskalieren oder in Schweigen enden
  3. Einer oder beide über Trennung nachdenken
  4. Es zu verbalen Verletzungen kommt, die ihr danach bereut
  5. Ihr euch emotional voneinander entfernt habt
  6. Ihr das Gefühl habt, in einer Sackgasse zu stecken

Eine Paartherapie ist keine Niederlage – sie ist eine Entscheidung für die Beziehung. Die stärksten Paare, die ich kenne, sind die, die sich rechtzeitig Unterstützung geholt haben.

Du erkennst euch wieder? Dann lass uns sprechen.

Wenn du beim Lesen gemerkt hast: „Das sind wir“ – dann warte nicht, bis es noch herausfordernder wird.

In meiner Praxis für Paartherapie in Münster arbeite ich mit Paaren genau an diesen Themen: Festgefahrene Muster erkennen, die tieferen Ursachen verstehen, echte Veränderung ermöglichen.

Das Erstgespräch ist zum gegenseitigen Kennenlernen: Ihr erzählt mir eure Geschichte, ich erkläre meine Arbeitsweise, und wir schauen, ob die Chemie stimmt. Ohne Druck, ohne Verpflichtung.

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Häufige Fragen

Können wir unsere Herausforderungen nicht alleine meistern?

Manche Konflikte lassen sich tatsächlich selbst bearbeiten – vor allem, wenn sie frisch sind und noch keine tiefen Verletzungen entstanden sind. Aber wenn ihr merkt, dass sich dieselben Muster wiederholen, wenn Gespräche regelmäßig eskalieren, wenn ihr euch emotional entfernt habt – dann ist professionelle Begleitung der schnellere und nachhaltigere Weg. Die meisten Paare, die zu mir kommen, sagen rückblickend: „Wir hätten früher kommen sollen.“

Was, wenn mein Partner nicht möchte?

Das höre ich oft. Manchmal hilft es, erst einmal alleine zu kommen – um die eigene Rolle zu verstehen und Klarheit zu gewinnen. Oft zieht der Partner nach, wenn er sieht, dass sich etwas verändert. Aber auch Einzelsitzungen können ein guter erster Schritt sein.

Wie lange dauert eine Paartherapie?

Das ist individuell. Manche Paare spüren nach 3-4 Sitzungen deutliche Erleichterung. Bei tieferen Themen braucht es mehr Zeit. Im Erstgespräch bekommt ihr eine realistische Einschätzung.